Ein Angriff oder ein Gewinn?

Die hiesige Wirtschaft und Politik diskutiert seit Wochen eifrig darüber, ob der geplante Bau einer neuen Giga-Fabrik des Automobilherstellers Tesla als ein Frontalangriff oder als ein Gewinn zu betrachten ist. Beide Betrachtungsweisen haben gute Argumente auf ihrer Seite, und es ist schon erstaunlich, dass eine solche Investition, die tausende von neuen Arbeitsplätzen in einer strukturschwachen Gegend schafft, so kritisch beäugt wird.

Woher kommt die Kritik?

Vor allem aus den Reihen der deutschen Automobilindustrie kommen kritische Töne, es wird als ein Angriff auf „Made in Germany“ gesehen, und insgesamt fühlt man sich ein wenig vorgeführt. Die Amerikaner liegen bei dem so wichtigen Zukunftsthema „massentaugliche Elektromobilität“ meilenweit voraus. Die Zeiten von feschen Studien ist vorbei, mit denen man sich auf Messen schmücken konnte, ohne etwas Zählbares zu haben. Jetzt gilt es, dem Markt Fahrzeuge zu präsentieren, die funktionieren, alltagstauglich sind und dabei erschwinglich bleiben. Hier hat Tesla vorgelegt, und die Deutschen haben noch nichts Ebenbürtiges auf dem Markt. Luxusmodelle wie der i8 sind noch keine adäquate Antwort, und jetzt kommt Tesla ausgerechnet nach Deutschland und alle Welt kann von nun an beobachten, wie der neu entfachte Verteilungskampf entschieden wird.

Immer die Kleinen

Es sind bei den Zukunftsthemen oft die kleinen Hersteller, die die großen vor sich hertreiben. Das was Tesla in der Automobilindustrie macht, das macht der schwedische Hersteller Vassla.com/de/ bei den elektrifizierten Zweirädern. Die großen japanischen und europäischen Marken hinken noch hinterher. Der große Vorteil kleinerer Hersteller liegt in der Spezialisierung. Es fällt ihnen leicht zu sagen, dass sie nur E-Fahrzeuge anbieten wollen, denn sie haben keinen bestehenden Markt zu bedienen. Die Strukturen sind in solchen Unternehmen auch deutlich flacher, und meist ist es nur ein sehr kleiner Zirkel oder mitunter sogar nur eine einzige Person, die die Richtung vorgibt. Mit viel Mut und Entschlossenheit lässt sich auf diese Weise ein Tempo vorlegen, mit dem Großkonzerne nur schwer mitkommen, doch wachsen die Kleinen gerade auch rasant und kommen um neue Strukturen kaum herum. Es wird spannend, soviel steht fest.

Es kann aber eben auch ein großer Gewinn sein

Die Entscheidung pro Berlin / Brandenburg ergibt unternehmerisch großen Sinn, Berlin gilt als die kreative Keimzelle schlechthin, und Brandenburg auf der anderen Seite freut sich über jeden neuen Arbeitsplatz, der hier geschaffen wird. Tesla bringt eine Menge Aufmerksamkeit mit, dies kann auch für die hiesigen Hersteller ein Vorteil sein. Wer es jetzt schafft, gleichwertige oder gar bessere Fahrzeuge zu bauen, der kann vor den Augen der Weltöffentlichkeit als Sieger vom Platz gehen. Es ist eine Chance, und dass Deutschland ein Stückweit als Schauplatz dient, kann man auch als Geschenk sehen. Der Fokus liegt damit wieder auf der „alten Welt“ und nicht auf China. Die deutschen Hersteller, allen voran VW, müssen jetzt liefern. Die Zeit von schrillen und futuristischen Konzepten ist definitiv vorbei. Die nächsten zehn Jahre werden Schicksalsjahre.

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